Vorbereitung — Passwörter aus Chrome exportieren
Bevor du wechselst, exportierst du einmalig alle Passwörter aus Chrome. Das geht über den eingebauten Google-Passwortmanager — unabhängig davon, welchen neuen Manager du danach nutzt. Die exportierte Datei enthält alle Passwörter im Klartext. Behandle sie entsprechend sorgfältig.
1
Chrome öffnen und zu den Passwörtern navigieren
Öffne Chrome und gib in die Adresszeile ein:
chrome://password-manager/passwords
Alternativ: Klick auf das Profilbild oben rechts → Passwörter.
2
Export starten
Klick oben rechts auf das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) → „Passwörter exportieren". Chrome fordert dein Windows/Mac-Passwort zur Bestätigung.
3
CSV-Datei sicher speichern
Die Datei Google Passwords.csv enthält alle Passwörter im Klartext. Speichere sie auf dem Desktop oder direkt im Download-Ordner — du brauchst sie gleich und löschst sie danach sofort.
Diese Datei ist unverschlüsselt. Nicht per E-Mail verschicken, nicht in der Cloud ablegen, nicht liegenlasen.
⚠ Nach dem Import: CSV sofort löschen
Die exportierte CSV-Datei enthält alle deine Passwörter im Klartext — unverschlüsselt. Sobald du sie in den neuen Manager importiert hast, lösche die Datei sofort und leere auch den Papierkorb. Auf Windows: Entfernen-Taste + Papierkorb leeren. Auf Mac: Befehl + Löschen + Papierkorb leeren.
Weg A: KeePassXC + KeePass2Android
KeePassXC ist die datenschutzfreundlichste Option aus dem BSI-Test 2025 — keine Cloud, keine Server, keine Registrierung. Dafür etwas mehr Einrichtungsaufwand. Empfohlen für alle, die maximale Kontrolle wollen.
1
KeePassXC herunterladen und installieren
Lade KeePassXC von
keepassxc.org herunter — verfügbar für Windows, macOS und Linux. Keine Registrierung nötig.
2
Neue Datenbank anlegen
Öffne KeePassXC → „Neue Datenbank erstellen". Wähle einen Namen (z.B. „Meine Passwörter"). Dann Master-Passwort festlegen — das ist das einzige, das du dir merken musst. Mindestens 20 Zeichen, am besten eine Satzphrase.
Das Master-Passwort nirgendwo digital speichern. Aufschreiben und sicher verwahren — z.B. zusammen mit anderen wichtigen Dokumenten.
3
Chrome-Passwörter importieren
Menü → Datenbank → Importieren → CSV-Format. Wähle die vorhin exportierte Google-Datei aus. KeePassXC liest alle Einträge automatisch ein — mit Website, Benutzername und Passwort.
4
Browser-Erweiterung installieren
Für automatisches Ausfüllen im Browser:
KeePassXC-Browser-Erweiterung für Firefox oder Chrome installieren. In KeePassXC unter
Einstellungen → Browser-Integration aktivieren.
5
Datenbank-Datei sichern
Die KDBX-Datei (deine Passwort-Datenbank) auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte sichern. Bei Verlust oder Geräteausfall hast du sonst keinen Zugriff mehr. Backup ist bei lokalen Managern Pflicht.
2
KDBX-Datei auf das Smartphone übertragen
Die KDBX-Datei vom PC per USB-Kabel auf das Smartphone kopieren — oder über einen eigenen Cloud-Dienst wie Nextcloud. Nicht über Google Drive — das würde den Sinn der Übung untergraben.
Die KDBX-Datei selbst ist verschlüsselt — wer sie abgreift, kommt ohne Master-Passwort nicht rein.
3
Datenbank öffnen
In KeePass2Android auf „Datei öffnen" tippen, die KDBX-Datei auswählen, Master-Passwort eingeben. Fertig — alle Einträge vom PC sind sofort verfügbar.
4
Fingerabdruck oder Gesichtserkennung aktivieren
In KeePass2Android unter Einstellungen → Biometrische Entsperrung aktivieren. Danach öffnet sich die Datenbank per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung — das Master-Passwort muss nur beim ersten Öffnen oder nach einem Neustart eingegeben werden.
Das Master-Passwort bleibt weiterhin notwendig — Biometrie ist nur eine bequeme Abkürzung, kein Ersatz.
5
Tastatur-Integration aktivieren
KeePass2Android bringt eine eigene Tastatur mit, die Passwörter direkt in App-Felder eintragen kann. Unter Einstellungen → KeePassDX-Tastatur aktivieren. Alternativ: über das Benachrichtigungs-Panel kopieren.
Weg B: Proton Pass
Proton Pass kommt von den Machern von Proton Mail — Schweizer Datenschutzrecht, Open Source, End-to-End-verschlüsselt. Die kostenlose Version reicht für die meisten Nutzer aus. Automatische Synchronisation zwischen allen Geräten inklusive.
1
Kostenloses Proton-Konto erstellen
Auf
proton.me/pass ein kostenloses Konto anlegen. Wer bereits Proton Mail nutzt, kann sich direkt einloggen — kein neues Konto nötig.
2
Browser-Erweiterung installieren
Proton Pass als Browser-Erweiterung installieren — verfügbar für Firefox, Chrome, Brave, Edge und weitere. Direkt über die jeweiligen Erweiterungs-Stores oder via
proton.me/pass/download.
3
Google-Passwörter importieren
In der Proton Pass Erweiterung oder auf
pass.proton.me:
Einstellungen → Importieren → Google Chrome. Die vorhin exportierte CSV-Datei auswählen. Alle Passwörter werden automatisch eingelesen.
4
App auf dem Smartphone installieren
Proton Pass für
Android oder
iOS installieren und mit dem Proton-Konto einloggen. Alle Passwörter sind sofort verfügbar — automatisch synchronisiert.
Für GrapheneOS: Proton Pass ist auch über den Aurora Store oder direkt als APK von proton.me/pass erhältlich.
5
Autofill auf dem Smartphone aktivieren
Android: Einstellungen → Passwörter & Konten → Automatisch ausfüllen → Proton Pass auswählen. iOS: Einstellungen → Passwörter → Passwort-Optionen → Proton Pass. Ab jetzt schlägt Proton Pass bei jedem Login automatisch die richtigen Daten vor.
6
Fingerabdruck oder Gesichtserkennung aktivieren
In der Proton Pass App unter Einstellungen → Sicherheit → Biometrische Sperre aktivieren. Danach öffnet sich der Tresor per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung — kein Passwort bei jedem Öffnen nötig.
Biometrie ist eine praktische Abkürzung — das Master-Passwort bleibt weiterhin der eigentliche Schlüssel und wird nach Neustarts oder bei verdächtigen Zugriffen trotzdem abgefragt.
Weg C: 1Password (Apple-Geräte)
1Password ist besonders für Apple-Nutzer optimiert — nahtlose Integration in iOS, macOS und Safari. Als einziger Manager im BSI-Test ohne Gratisoption: 14 Tage kostenlos testen, danach ab 3,99 Dollar pro Monat (Stand April 2026).
1
Konto anlegen und App herunterladen
2
Emergency Kit sicher aufbewahren
Beim Anlegen des Kontos generiert 1Password ein Emergency Kit — ein PDF mit deinem Secret Key (34-stelliger Code). Dieses PDF ausdrucken oder sicher ablegen. Ohne diesen Key kein Zugang auf neuen Geräten.
Das Emergency Kit ist vergleichbar mit dem Master-Passwort. Nicht in der Cloud ablegen — ausgedruckt verwahren.
3
Google-Passwörter importieren
In der 1Password Desktop-App: Ablage → Importieren → Google Chrome. Die exportierte CSV-Datei auswählen. Alle Einträge werden mit Website, Benutzername und Passwort übernommen.
4
Safari-Erweiterung aktivieren
Auf dem Mac: Safari → Einstellungen → Erweiterungen → 1Password aktivieren. Auf iPhone/iPad: Einstellungen → Passwörter → Passwort-Optionen → 1Password auswählen. Ab jetzt füllt 1Password Login-Felder automatisch aus.
5
Face ID / Touch ID aktivieren
In der 1Password App unter Einstellungen → Sicherheit → Face ID (oder Touch ID) aktivieren. So öffnet sich der Tresor per Gesicht oder Fingerabdruck — kein Master-Passwort bei jedem Login nötig.
Mehr als Passwörter — Karten und Dokumente sicher verwalten
Passwort-Manager können weit mehr als nur Passwörter speichern. EC-Karten, Kreditkarten, Personalausweis-Daten, IBAN, Versicherungsnummern — all das lässt sich verschlüsselt im selben Tresor ablegen. Der Vorteil: alles an einem Ort, alles mit demselben starken Schutz.
💳 Was Passwort-Manager außer Passwörtern speichern können
Kreditkartennummer, Ablaufdatum, CVV, Name auf der Karte — verschlüsselt abgelegt und bei Online-Einkäufen automatisch ausgefüllt. Auch EC-Karten-PIN, IBAN, BIC oder Kontodaten lassen sich als sicherer Eintrag speichern.
Weitere typische Einträge: Personalausweis- und Reisepassnummern, Krankenkassen- und Versicherungsnummern, Steuer-IDs, WLAN-Passwörter, Software-Lizenzen, Sicherheitsfragen-Antworten.
So geht es in den drei Managern
🔒
KeePassXC
Neuen Eintrag anlegen → im Tab „Erweitert" benutzerdefinierte Felder hinzufügen: z.B. „Kartennummer", „CVV", „Ablaufdatum". Alle Felder können als geschützt (verborgen) markiert werden. Kein dedizierter Kreditkarten-Eintragstyp, aber vollständig flexibel.
🛡️
Proton Pass
Im Vault auf „+" tippen → „Kreditkarte" auswählen. Felder für Kartennummer, Karteninhaber, Ablaufdatum und CVV vorhanden. End-zu-End-verschlüsselt. Autofill bei Online-Einkäufen auf Plus-Plan.
🍎
1Password
Neues Element → „Kreditkarte". Alle relevanten Felder vorgegeben. Autofill bei Online-Shops in Safari und Chrome funktioniert sehr zuverlässig — einer der Stärken von 1Password.
Sicherheitshinweis: CVV und PIN sind besonders sensible Daten. In einem verschlüsselten Passwort-Manager sind sie sicherer als auf einem Zettel im Portemonnaie — aber nur, wenn das Master-Passwort stark ist und der Tresor nicht ungesperrt auf einem ungesicherten Gerät liegt.
Was danach zu tun ist
✓ Checkliste nach dem Wechsel
CSV-Datei löschen: Die exportierte Google-Datei sofort löschen und Papierkorb leeren — sie enthält alle Passwörter im Klartext.
Chrome-Passwörter löschen: In Chrome unter chrome://password-manager/passwords alle gespeicherten Passwörter löschen. Sonst hat Chrome weiterhin Zugriff.
Google-Konto trennen: Wer sich aus Chrome ausloggt oder den Browser wechselt, verhindert, dass neue Passwörter automatisch wieder in Google landen.
Schwache Passwörter ersetzen: Die meisten Manager zeigen an, welche Passwörter schwach oder mehrfach verwendet sind. Die schlimmsten zehn zuerst ersetzen — der Manager generiert sichere neue Passwörter.
Backup anlegen: Bei KeePassXC: KDBX-Datei auf USB-Stick sichern. Bei Proton Pass und 1Password: Export einmal erstellen und verschlüsselt aufbewahren.
📌 Redaktionelle Einschätzung — thx4data.de
Der Wechsel weg von Google Passwörtern ist einer der wirkungsvollsten Schritte, die man für die eigene digitale Privatsphäre tun kann — und er dauert weniger als eine Stunde. Die drei hier beschriebenen Wege decken alle Anwendungsfälle ab.
Für Android-Nutzer mit Datenschutzbewusstsein ist die Kombination KeePassXC + KeePass2Android (oder KeePassDX) die transparenteste Lösung: kein Anbieter, der potenziell Zugriff hätte, kein Cloud-Konto. Wer Komfort bevorzugt und Schweizer Datenschutzrecht schätzt: Proton Pass. Apple-Nutzer, die bereit sind zu zahlen: 1Password.
Das Speichern von Kreditkarten und EC-Karten im Passwort-Manager ist kein Sicherheitsrisiko — im Gegenteil: verschlüsselt im Tresor sind sie sicherer als auf einem Zettel, in einer unverschlüsselten Notiz-App oder als Foto im Kameraarchiv. Voraussetzung ist ein starkes Master-Passwort.
Quellen:
Irregular Security – KI-generierte Passwörter: ~27 Bit Entropie (Februar 2026) ·
KeePassXC – Offizielle Website ·
Proton Pass – Offizielle Website ·
1Password – Offizielle Website & Preise ·
BSI – Passwort-Manager-Test H1 2025 (Pressemitteilung Dezember 2025)