Ausgangspunkt für diesen Artikel war ein Text des Schweizer Anbieters Proton darüber, wie Amazon seine Kundschaft verfolgt[1].

Die Rechtslage in Deutschland ist besser.

// 01Amazon ist im Alltag kein Dienst, sondern ein Dutzend

Die meisten Leute würden auf die Frage, was sie von Amazon nutzen, „den Shop" antworten und vielleicht noch Prime. Die Liste ist länger. Zu Amazon gehören unter anderem:

  • Amazon.de und das Prime-Abo mit Versand, Prime Video und Prime Music
  • Echo und Alexa, der Sprachassistent im Lautsprecher, im Display und im Auto
  • Fire TV, als Stick, als Box und fest eingebaut in Fernseher mehrerer Marken
  • Kindle und Audible für Bücher und Hörbücher
  • Ring, die Türklingel mit Kamera, und Blink für Innenräume
  • IMDb für Filme, Goodreads für gelesene Bücher, Twitch für Streams
  • Amazon Web Services, auf dem ein großer Teil der übrigen Websites läuft

Jeder dieser Dienste ist für sich schon eine Datenschutzkatastrophe. Verknüpft man diese Dienste und lässt sie über nur ein Benutzerkonto laufen, bekommt man einen Super-GAU.

Amazon beschreibt in der eigenen Datenschutzerklärung, welche Daten dabei anfallen: was du kaufst und ansiehst, Gerätekennungen, IP-Adresse, Standort, Sprachaufnahmen, Inhalte, die du in Amazon-Apps erzeugst[2]. Das ist kein Leak und kein Skandal, sondern eine Selbstauskunft. Interessant ist nicht, dass diese Daten existieren, sondern dass sie sich in einem Profil treffen.

Wer in diese Daten sehen kann, ist eine eigene Frage. WIRED und Reveal vom Center for Investigative Reporting haben im November 2021 interne Unterlagen von 2015 bis 2018 und Gespräche mit ehemaligen Beschäftigten ausgewertet[28]. Der Kundendienst konnte demnach die Bestellhistorie jedes Kontos aufrufen, damit Anfragen schnell bearbeitet werden.

Ehemalige Beschäftigte berichten, dass Kollegen damit die Einkäufe von Prominenten nachschlugen, unter anderem von Kanye West und von Schauspielern der Avengers-Filme, bis hin zu Bestellungen von Sexspielzeug. Andere riefen die Konten von Ex-Partnern und Bekannten auf. Beides war nach Amazons eigenen Regeln verboten. Ein Sprecher wies gegenüber WIRED zurück, dass Missbrauch dieser Rechte „verbreitet" sei[29].

// Was in diesem Artikel nicht steht

Amazon als Arbeitgeber, die Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren und der Streit um Marktmacht gegenüber Händlern sind eigene Themen und kommen hier nur dort vor, wo sie den Datenschutz berühren. Wie sich ein Amazon-Einkauf in einen normalen Tagesablauf einfügt, steht in dieser Recherche; wer die Daten kauft, die dabei abfallen, in dieser.

// 02Seit März 2025 geht jede Alexa-Anfrage in die Cloud

Ein Echo hört permanent zu und sendet, sobald es sein Aktivierungswort zu erkennen glaubt.

Bis 2025 lief es so: Das Gerät prüft örtlich, ob das Aktivierungswort gefallen ist, und schickt erst danach Ton an Amazon. Für einen Teil der Geräte gab es zusätzlich die Einstellung „Do Not Send Voice Recordings", mit der die Verarbeitung ganz auf dem Gerät blieb.

Diese Einstellung hat Amazon zum 28. März 2025 abgeschaltet[3]. Die Begründung des Unternehmens: Die neuen KI-Funktionen brauchen die Rechenleistung der Cloud[4]. Wer die Option genutzt hatte, wurde automatisch auf „Keine Aufzeichnungen speichern" umgestellt. Der Ton geht seither in jedem Fall zu Amazon, er wird nach der Verarbeitung nur gelöscht statt aufbewahrt.

Für Deutschland kommt eine Einschränkung dazu, die den Vorgang eher verschärft als entschärft. Auf Nachfrage teilte Amazon mit: „Die in diesem Artikel beschriebenen Funktionen gab es nie in Deutschland und Österreich."[4] Die örtliche Verarbeitung war ein Angebot für englischsprachige Geräte in den USA. Ein Echo in einem deutschen Wohnzimmer hat den Ton also von Anfang an verschickt.

Was bleibt, ist die Wahl zwischen Speichern und Nichtspeichern. Sie steht in der Alexa-App unter „Alexa-Datenschutz" und dann „Meine Alexa-Daten verwalten". ABER: Ohne gespeicherte Aufnahmen kann Alexa die Personen im Haushalt nicht mehr auseinanderhalten[3].

// 03Am anderen Ende sitzen Menschen

2019 berichtete Bloomberg, dass Amazon weltweit Tausende Beschäftigte und Auftragnehmer damit beauftragt, Alexa-Aufnahmen anzuhören, abzutippen und zu kommentieren, damit die Spracherkennung besser wird[5]. Die Teams saßen unter anderem in Boston, Costa Rica, Indien und Bukarest. Zwei Beschäftigte am Standort Bukarest beschrieben Schichten von neun Stunden mit bis zu tausend Tonschnipseln.

Darunter waren Aufnahmen, die niemand freiwillig abgibt: medizinische Gespräche, Streit in Familien, Kinderstimmen. Eine zweite Recherche ergab wenige Wochen später, dass die Prüferinnen und Prüfer auch auf Wohnadressen zugreifen konnten.

Amazon hat daraufhin die Einstellung eingeführt, mit der man der menschlichen Prüfung widersprechen kann. Sie ist bis heute standardmäßig aktiv, nicht abgewählt.

Wie viele Menschen Zugriff hatten, hat die FTC 2023 beziffert. In der Klageschrift steht, dass zwischen August 2018 und September 2019 rund 30.000 Amazon-Beschäftigte an Alexa-Aufnahmen kamen, etwa die Hälfte davon ohne dienstlichen Grund. Die Behörde nennt das eine zu weit gefasste Rechtevergabe, die gegen Amazons eigene Sicherheitsvorgaben verstieß[6].

// 04Was die FTC dazu festgestellt hat

Am 31. Mai 2023 einigte sich Amazon mit der US-Handelsaufsicht FTC auf eine Zahlung von 25 Millionen Dollar. Der Vorwurf: Das Unternehmen hatte Sprachaufnahmen und Standortdaten von Kindern jahrelang aufbewahrt, obwohl Eltern die Löschung verlangt hatten, und die Aufnahmen zur Verbesserung der Spracherkennung weiterverwendet[6]. Der Vergleich verpflichtet Amazon, Löschverlangen tatsächlich umzusetzen und gelöschte Sprach- und Standortdaten nicht mehr für Produktentwicklung zu nutzen.

Am selben Tag zahlte die Amazon-Tochter Ring 5,8 Millionen Dollar[7]. Dort ging es darum, dass Beschäftigte und Auftragnehmer ohne Beschränkung auf Kundenvideos zugreifen konnten und dass Videos ohne Einwilligung zum Training von Algorithmen benutzt wurden.

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// Das sind US-Verfahren

Die FTC prüft amerikanisches Recht. Die Summen und die Verfahrensart lassen sich nicht auf Deutschland übertragen. Übertragbar ist der Befund selbst: Er beschreibt, was mit den Aufnahmen geschehen ist, und diese Geräte sind in Deutschland dieselben.

// 05Alexa+ ist seit Mai 2026 hier

Am 7. Mai 2026 hat Amazon Alexa+ in Deutschland und Österreich gestartet, zunächst als kostenloses Vorab-Programm[8]. Für Prime-Mitglieder ist der Dienst danach im Abo enthalten, ohne Prime soll er 22,99 Euro im Monat kosten.

Amazon beschreibt Alexa+ selbst so: Der Assistent „erinnert sich an den Kontext von Gesprächen", „lernt deine Vorlieben, versteht die Routinen deines Haushalts und passt sich deinem Alltag an"[8]. Angebunden sind unter anderem OpenTable, Spotify, Apple Music, Prime Video, Audible sowie Smart-Home-Geräte von Philips, Ring, Bosch und Siemens.

Das ist die Beschreibung eines Gedächtnisses. Ein Assistent, der Routinen versteht, muss Routinen speichern. Und weil die Modelle dahinter in der Cloud laufen, gibt es die Rückzugsmöglichkeit der örtlichen Verarbeitung endgültig nicht mehr.

Im Juni 2026 hat Amazon auf dem Werbefestival in Cannes das dazugehörige Geschäftsmodell vorgestellt: Alexa+ Agentic Ads[9]. Es läuft auf den Echo-Geräten mit Bildschirm. Dort erscheint eine Anzeige auf dem Display, und du redest mit Alexa darüber: nachfragen, Varianten durchgehen, bestellen, alles im selben Gespräch. Amazon beschreibt es als erstes Anzeigenformat, bei dem der ganze Weg vom Ansehen der Werbung bis zum abgeschlossenen Kauf innerhalb der Unterhaltung stattfindet[27]. Startpartner sind die Pizzakette Papa Johns und der Ticketverkauf über Ticketmaster.

In Deutschland ist das Format noch nicht angekündigt. Amazon nennt dafür nur Echo-Geräte mit Bildschirm und kein Land.

// 06Ring, die Polizei und ein abgesagter Vertrag

Ring gehört seit 2018 zu Amazon. Die Kamera in der Türklingel nimmt auf, sobald sie Bewegung erkennt, und legt das Video in der Cloud ab.

2022 machte der US-Senator Ed Markey einen Brief von Amazon öffentlich. Darin räumt das Unternehmen ein, in den ersten sechs Monaten des Jahres elfmal Videomaterial an Polizeibehörden herausgegeben zu haben, ohne Einwilligung der Besitzer und ohne richterlichen Beschluss[10]. Grundlage war eine Notfallklausel, über deren Anwendung Ring selbst entscheidet. Weder ein Gericht noch die betroffene Person prüft, ob der Notfall vorlag[11].

Im Oktober 2025 kündigte Ring eine Zusammenarbeit mit Flock Safety an, einem Anbieter von Überwachungstechnik für Polizeibehörden. Behörden hätten darüber Videoanfragen an Ring-Kunden stellen können. Nach einem Werbespot beim Super Bowl im Februar 2026 und wochenlanger Kritik hat Amazon den Vertrag abgesagt[12]. Offiziell hieß es, die Umsetzung hätte mehr Zeit und Mittel gebraucht als erwartet. Videomaterial von Kunden ist nach Angaben beider Seiten nie an Flock geflossen.

Das ist der eine Punkt in dieser Recherche, der sich zugunsten der Nutzer verschoben hat, und er verdient die Erwähnung: öffentlicher Widerspruch hat hier gewirkt.

// 07In Deutschland gilt ein engerer Rahmen

Für eine Kamera an der eigenen Haustür ist die deutsche Rechtslage deutlich strenger als die amerikanische. Der Bundesgerichtshof hat am 8. April 2011 entschieden, dass eine Kamera in der Türsprechanlage zulässig sein kann, dabei aber enge Bedingungen genannt: Sie darf sich nur beim Klingeln einschalten, das Bild geht nur in die Wohnung, bei der geklingelt wurde, sie erfasst nur den Nahbereich der Tür, und die Übertragung endet nach spätestens einer Minute[13].

Eine Ring-Kamera im Auslieferungszustand tut nichts davon. Sie startet bei Bewegung, sie zeichnet auf, sie speichert in der Cloud, und je nach Montage sieht sie den Gehweg. Wer damit öffentlichen Grund oder das Nachbargrundstück erfasst, verlässt den Bereich der reinen HaushaltsausnahmeHaushaltsausnahmeDie DSGVO gilt nicht für rein private Tätigkeiten. Eine Kamera, die nur das eigene Grundstück erfasst, fällt darunter. Sobald sie öffentlichen Grund oder Nachbargrundstücke filmt, endet die Ausnahme. und bewegt sich im Anwendungsbereich der DSGVO, im Extremfall auch im Bereich von § 201a StGB.

// 08Was der Fire TV sieht

Fire TV nutzt Automatic Content RecognitionACR — Automatic Content RecognitionDer Fernseher erzeugt einen digitalen Fingerabdruck von Bild und Ton und gleicht ihn mit einer Datenbank ab. So erkennt er, was gerade läuft, auch wenn das Signal von einem angeschlossenen Gerät kommt., kurz ACR. Amazon erklärt die Funktion selbst: Das Gerät erzeugt einen digitalen Fingerabdruck des Bildes und des Tons, um zu erkennen, welche Sendungen, Filme und Werbespots auf dem Fernseher laufen, auch wenn sie von einer angeschlossenen Set-Top-Box kommen[14].

Der Punkt daran ist die Reichweite. ACR erkennt nicht nur, was in Prime Video läuft, sondern was auf dem Bildschirm ist, unabhängig von der Quelle. Amazon nennt als Zweck die Aussteuerung von Werbung: Wer einen Spot über den Kabelanschluss schon dreimal gesehen hat, soll ihn nicht noch einmal bekommen.

ACR lässt sich abschalten. Die Einstellung steht in den Datenschutzeinstellungen des Geräts unter den Datennutzungsoptionen[15]. In den USA läuft seit 2026 eine Sammelklage, die Amazon vorwirft, die so gewonnenen Sehdaten ohne Einwilligung zu vermarkten. Die Vorwürfe sind bisher nicht erwiesen und Amazon hat sich dazu nicht geäußert.

// 09Was das Buch meldet

Ein Kindle synchronisiert über Whispersync mehr als die aktuelle Seite: Lesezeichen, Markierungen, Notizen und den Lesefortschritt[16]. Das ist die Funktion, die den Wechsel zwischen Lesegerät und Handy angenehm macht, und dieselbe Funktion erzeugt eine Aufzeichnung des Leseverhaltens: welches Buch, wie lange, an welcher Stelle abgebrochen, welche Sätze markiert.

Die Sicherung von Anmerkungen, letzter Seite und Sammlungen auf die Amazon-Server lässt sich in den Geräteeinstellungen abschalten. Wer sie abschaltet, verliert den Abgleich zwischen Geräten.

// 10Werbung ist längst eine eigene Säule

Es lohnt sich, die Größenordnung zu kennen, in der diese Daten wirken. Amazons Werbegeschäft hat 2025 die Marke von 68 Milliarden Dollar überschritten[17]. Allein auf sogenannte Retail MediaRetail MediaWerbung, die dort ausgespielt wird, wo eingekauft wird. Der Händler verkauft die Werbeplätze in seinem eigenen Shop und nutzt dafür, was er über das Kaufverhalten weiß., also Werbung im Umfeld des Handels, entfielen davon über 60 Milliarden[18].

Damit ist Werbung für Amazon kein Zusatzgeschäft mehr, sondern nach dem Cloud-Geschäft AWS die zweite große Ertragsquelle neben dem Handel. Der Rohstoff dafür ist die Kenntnis darüber, was Menschen kaufen, ansehen, hören und suchen. Das erklärt, warum Funktionen verschwinden, die diese Kenntnis begrenzen, und warum ein Sprachassistent ein Werbeformat bekommt. Wie dieselbe Mechanik bei Meta aussieht, steht in der Akte Meta.

// 11Was Gerichte und Behörden bisher entschieden haben

Luxemburg, 12. März 2026. Die luxemburgische Datenschutzbehörde CNPD hatte Amazon 2021 ein Bußgeld von 746 Millionen Euro auferlegt, den bis dahin höchsten DSGVO-Betrag überhaupt, wegen der Verarbeitung personenbezogener Daten für interessenbasierte Werbung. Das Berufungsgericht hat dieses Bußgeld im März 2026 aufgehoben. Der Grund liegt im Verfahren: Die Behörde hatte nach neuerer Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs nicht ausreichend geprüft, ob Amazon vorsätzlich oder fahrlässig handelte[19].

In der Sache selbst hat das Gericht die Behörde bestätigt. Die CNPD schreibt in ihrer eigenen Mitteilung, das Gericht habe festgestellt, dass Amazons Berufung auf ein „berechtigtes Interesse" als Rechtsgrundlage nicht gerechtfertigt war und die Informationspflichten verletzt wurden[19]. Die Behörde muss die Höhe des Bußgeldes nun neu bestimmen. Für die Praxis ist der zweite Teil der wichtigere: Werbetracking dieser Art lässt sich nicht auf ein berechtigtes Interesse stützen.

Karlsruhe, 23. April 2024. Der Bundesgerichtshof hat bestätigt, dass Amazon eine „überragende marktübergreifende Bedeutung für den Wettbewerb" im Sinne von § 19a GWB§ 19a GWBSeit 2021 im deutschen Wettbewerbsrecht. Stellt das Bundeskartellamt bei einem Unternehmen eine „überragende marktübergreifende Bedeutung" fest, kann es bestimmte Verhaltensweisen untersagen, ohne im Einzelfall eine Marktbeherrschung nachweisen zu müssen. hat[20]. Das Bundeskartellamt hatte das 2022 festgestellt[21]. Praktisch heißt es: Amazon steht in Deutschland unter verschärfter Aufsicht, und das Kartellamt kann bestimmtes Verhalten untersagen, ohne erst im Einzelfall eine Marktbeherrschung nachweisen zu müssen.

Luxemburg, 19. November 2025. Das Gericht der Europäischen Union hat Amazons Klage gegen die Einstufung als „sehr große Online-Plattform" nach dem Digital Services Act abgewiesen[22]. Damit bleiben die zusätzlichen Pflichten bestehen: ein öffentliches Werbearchiv, eine Empfehlungsansicht ohne Profilbildung und Datenzugang für Forschung.

Washington, 25. September 2025. Die FTC und Amazon haben sich auf 2,5 Milliarden Dollar geeinigt, eine Milliarde Strafe und 1,5 Milliarden Rückerstattung[23]. Es ging um die Anmeldung zu Prime und um Kündigungen, die Amazon nach Feststellung des Gerichts absichtlich erschwert hatte. Das ist kein Datenschutzfall, aber derselbe Mechanismus: eine Oberfläche, die eine Entscheidung in eine Richtung schiebt.

// 12Sidewalk und Amazon One: einmal aufgespannt, einmal eingestellt

Zwei Randnotizen, die zusammen ein Bild ergeben.

Amazon Sidewalk ist ein Funknetz, das Echo- und Ring-Geräte untereinander aufspannen. Jedes teilnehmende Gerät gibt einen kleinen Teil der Internetleitung ab, damit Geräte in der Nachbarschaft auch dann noch erreichbar sind, wenn ihr eigenes WLAN weg ist[24]. Das Verfahren ist ein Opt-outOpt-outEine Funktion ist von Anfang an aktiv und bleibt es, bis man widerspricht. Das Gegenstück ist Opt-in: Dort passiert nichts, bevor man zustimmt.: Es läuft, bis man widerspricht. Sidewalk gibt es bisher in den USA und seit Februar 2026 in Kanada, in Deutschland nicht.

Amazon One, die Bezahlung per Handflächen-Scan, hat Amazon dagegen eingestellt. Die Geräte wurden bis zum 3. Juni 2026 aus allen Whole-Foods-Filialen entfernt, Begründung: zu wenig Zuspruch. Die zugehörigen Kundendaten sollen nach dem Ende des Dienstes gelöscht werden[25].

Beides zusammen zeigt: Die Richtung ist nicht in Stein gemeißelt. Was sich nicht rechnet, wird abgeschaltet, und was auf Widerspruch stößt, manchmal auch.

// 13Die Einstellungen, die etwas ändern

Die folgenden Schritte reduzieren die Datenspur. Keiner davon beendet sie.

Beim Konto:

  • Werbepräferenzen öffnen und „Keine interessenbasierte Werbung von Amazon anzeigen" wählen[26]. Auf derselben Seite lassen sich vorhandene Werbedaten löschen.
  • Den eigenen Browserverlauf bei Amazon abschalten und leeren. Er steuert Empfehlungen und ist getrennt von der Bestellhistorie.
  • Nachsehen, welchen Drittanbieter-Apps du über „Login mit Amazon" Zugriff gegeben hast, und ungenutzte entfernen.

Bei Alexa:

  • In der Alexa-App unter „Alexa-Datenschutz" auf „Keine Aufzeichnungen speichern" stellen. Das kostet die Stimmerkennung.
  • Der Nutzung von Aufnahmen zur Verbesserung der Dienste widersprechen. Diese Einstellung ist standardmäßig an.
  • Den Verlauf der Smart-Home-Geräte und die Berechtigungen installierter Skills durchgehen.
  • Ein Echo hat eine Stummtaste für das Mikrofon. Sie trennt die Mikrofone elektrisch, nicht per Software.

Bei Fire TV und Kindle:

  • ACR in den Datenschutzeinstellungen des Fire TV abschalten und die Werbe-ID zurücksetzen.
  • Beim Kindle die Sicherung von Anmerkungen und Leseposition abschalten, wenn du den Geräteabgleich nicht brauchst.

Bei Ring:

  • Erfassungsbereich so einstellen, dass weder Gehweg noch Nachbargrundstück im Bild sind.
  • Bewegungszonen eng ziehen, Dauerspeicherung abschalten, Zwei-Faktor-Anmeldung aktivieren.

Wenn du weiter gehen willst: Kobo statt Kindle, Apple TV oder ein einfacher Fernseher ohne eigenes Betriebssystem statt Fire TV, Home Assistant statt Alexa, Reolink oder eine Kamera mit örtlicher Speicherung statt Ring, StoryGraph statt Goodreads, Libby über die Stadtbibliothek statt Audible. Für Browser und Suche stehen die Alternativen hier, für die Leitung dahinter hier.

// Kein Alles-oder-nichts

Es ist kein Widerspruch, bei Amazon zu bestellen und trotzdem keinen Echo im Schlafzimmer stehen zu haben. Die Frage ist nicht, ob du aussteigst, sondern welche Geräte du in welchem Raum zulässt.

// 14Fazit

Jedes einzelne Gerät in dieser Aufzählung ist eine Wanze. Der Echo sendet, die Kamera zeichnet auf, der Kindle meldet, was die Synchronisierung braucht.

Dies ergibt ein komplettes Bild von dir. Ein Konto, das den Einkauf kennt, die Stimme hört, das Fernsehbild abgleicht, die Lesegewohnheiten sichert und die Haustür filmt.

Die Bewegung der letzten anderthalb Jahre geht in eine Richtung: Die örtliche Verarbeitung ist verschwunden, der Assistent hat ein Gedächtnis bekommen und bekommt jetzt Werbeplätze. Die Gerichte in Luxemburg und Karlsruhe haben Amazon dabei nicht freigesprochen, sie haben in der Sache mehrfach gegen das Unternehmen entschieden. Und die abgesagte Zusammenarbeit von Ring mit Flock zeigt, dass Widerspruch etwas bewirken kann.