- 01Kameras, Mikrofone, 3D-Grundrisse: Weit mehr als Staub
- 02Wohin fließen die Daten? Hersteller im Überblick
- 03Vom Toilettenfoto bis zur Roboter-Armee: 2022–2026
- 04KI-Training, Werbeprofiling und der fast-verkaufte Grundriss
- 05Recht hinkt hinterher — was BSI und Behörden sagen
- 06Vom Gast-WLAN bis zur Cloud-Befreiung: So schützt du dich
Kameras, Mikrofone, 3D-Grundrisse: Weit mehr als Staub
Moderne Saugroboter sind mit Sensorik ausgestattet, die weit über die Staubaufnahme hinausgeht. Die gesammelten Daten lassen sich in sechs Kategorien einteilen: Kartendaten (2D- und 3D-Grundrisse mit Raumgrößen, Möbelkonturen, Türen und Fenstern), Bilddaten (Fotos und Videos von Hindernissen und Räumen), Audiodaten (Sprachbefehle und Umgebungsgeräusche), Netzwerkdaten (WLAN-SSID, IP-Adressen), Nutzungsdaten (Reinigungszeiten, Bewegungsprofile, Fehlercodes) und Kontodaten (E-Mail, Seriennummern, MAC-Adressen).
Kameras
Kameras sind mittlerweile in den meisten Premium-Modellen verbaut. Der iRobot Roomba j7/j9 nutzt eine Frontkamera für die PrecisionVision-Hinderniserkennung und identifiziert laut Ex-CEO Colin Angle über 80 verschiedene Objekttypen — von Tierkot bis Schuhen. Die Ecovacs Deebot X1/X2/T8–T30-Serie besitzt Kameras mit AIVI-Technologie (AI Visual Interpretation) und bietet zusätzlich Live-Videoüberwachung per App. Roborocks S6 MaxV, S7 MaxV und der Saros Z70 verfügen über Doppelkamera-Systeme (ReactiveAI). Dreame L20 Ultra und X50 Ultra setzen ebenfalls auf Kameranavigation — Sicherheitsforscher Dennis Giese fand in der Firmware einen „AI Server"-Ordner und Bild-Upload-Funktionen.
Mikrofone
Mikrofone sind vor allem in Ecovacs-Geräten verbaut: Die Deebot X1-Familie, T10, T20 und T30 haben eingebaute Mikrofone für den YIKO-Sprachassistenten inklusive Zwei-Wege-Audio. Wer dem „Verbesserungsprogramm für Sprachinteraktion" zustimmt, dessen Aufnahmen landen auf einem Ecovacs-Server in China.
Lokal vs. Cloud — was Hersteller behaupten und was stimmt
Roborock behauptet, Karten würden ausschließlich auf dem Gerät gespeichert — allerdings ergab eine Aktualisierung der Datenschutzerklärung im Juli 2025, dass koreanische Kundendaten „in China verarbeitet" werden könnten. iRobot speichert Navigationsbilder laut eigener Angabe nur auf dem Roboter. Ecovacs dagegen speichert Karten sowohl lokal als auch in der Cloud. Xiaomi bietet einen „Lokalmodus" an — standardmäßig ist er aber nicht aktiviert.
Wohin fließen die Daten? Hersteller im Überblick
| Hersteller | Hauptsitz | Server-Standorte | Bewertung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Vorwerk Kobold | Deutschland 🇩🇪 | EU-Server | ★★★ Sehr gut | AV-TEST 3/3, Stiftung Warentest Bestnote, minimale Datenerfassung |
| iRobot / Roomba | USA (→ China*) | AWS (AES-256AES-256Advanced Encryption Standard mit 256-Bit-Schlüssel - ein Verschlüsselungsverfahren, das als unknackbar gilt und auch von Militär und Banken eingesetzt wird. Schützt Daten bei der Übertragung.) | ★★☆ Gut | *Insolvenz Dez. 2025, Übernahme durch chinesische Picea Robotics für 190 Mio. $ |
| Roborock | Peking 🇨🇳 | China, DE, RU, USA | ★★☆ Verbessert | Datenweitergabe an Tuya Smart (Tencent-finanziert, Hangzhou) |
| Ecovacs Deebot | Suzhou 🇨🇳 | AWS (USA) + Alibaba Cloud (CN) | ★☆☆ Problematisch | Multiple Hacks, Daten explizit in CN, CCPA: „verkauft" personenbezogene Daten |
| Dreame | Suzhou 🇨🇳 | Keine Angaben | ★★☆ Akzeptabel | KI-Features standardmäßig deaktiviert; AGB unterliegen chinesischem Recht |
| Xiaomi | Peking 🇨🇳 | NL, IN, SG, RU | ★☆☆ Schlecht | AV-TEST 1/3, „konstanter Datenstrom zum chinesischen Hersteller" (AV-TEST) |
| SharkNinja | USA 🇺🇸 | USA-basiert | ★★☆ Gut | Consumer Reports: „Good" — erklärt, Daten nicht zu verkaufen |
| DJI Romo | Shenzhen 🇨🇳 | China (Klartext) | ★☆☆ Sehr schlecht | 6.700 Geräte versehentlich öffentlich, Daten unverschlüsselt |
Vom Toilettenfoto bis zur Roboter-Armee: 2022–2026
DEF CON 32
KI-Training, Werbeprofiling und der fast-verkaufte Grundriss
Die Frage, ob Hersteller Kartendaten verkaufen, ist zentral. Direkte, bestätigte Verkäufe von Grundrissdaten an Dritte sind bislang nicht dokumentiert — wohl aber die klare Absicht und indirekte Monetarisierung.
Im Juli 2017 erklärte iRobot-CEO Colin Angle gegenüber Reuters, iRobot „könnte einen Deal abschließen, um seine Karten an Amazon, Apple oder Google zu verkaufen". Nach öffentlicher Empörung ruderte er zurück. Trotzdem sammelte iRobot in seiner Datenschutzerklärung: Alter, Geburtsdatum, Geschlecht, Gehalt, Freizeitinteressen, Anzahl der Kinder und Haustiere — Daten, die für einen Staubsauger nicht erforderlich sind.
Was die Amazon-Übernahme von iRobot bedeutet hätte
Die geplante Amazon-Übernahme für 1,7 Milliarden Dollar hätte Amazon Zugang zu den detailliertesten Wohnungsdaten der Welt verschafft. Die Roomba J7-Serie hatte über 43 Millionen Objekte in Privathaushalten erkannt und 80 Typen klassifiziert. In Kombination mit Alexa, Ring und Blink: ein umfassendes häusliches Überwachungsnetzwerk. Senatorin Elizabeth Warren schrieb an die FTC, Amazon würde damit „Augen und Ohren im Haus" bekommen. Die EU-Kommission blockierte den Deal im Januar 2024.
LidarPhone: Staubsauger als Laser-Mikrofon
Akademische Forschung zeigt das Missbrauchspotenzial: Forscher der University of Maryland und der National University of Singapore demonstrierten 2020 den „LidarPhone"-Angriff — der LiDARLiDARLight Detection and Ranging - ein Laser-Sensor, der die Umgebung in 3D vermisst. Erzeugt präzise Grundrisse der Wohnung. Forscher zeigten: Er kann sogar als Mikrofon missbraucht werden (LidarPhone-Angriff). eines Saugroboters wurde als Laser-Mikrofon umfunktioniert, um Gespräche abzuhören. Genauigkeit bei der Ziffernerkennung: über 90 Prozent. Eine forensische Analyse der Amazon iRobot Roomba-Cloud (ScienceDirect, 2023) entdeckte undokumentierte APIs, die die Extraktion der gesamten Reinigungshistorie und aller erkannten Objekte ermöglichten.
Recht hinkt hinterher — was BSI und Behörden sagen
Das BSIBSIBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik - Deutschlands oberste Cybersicherheitsbehörde. Warnt vor Saugrobotern mit Kameras/Mikrofonen und empfiehlt Netzwerkisolierung. hat eine dedizierte Seite zu Saugrobotern veröffentlicht und warnt vor 3D-Umgebungskartierung, Kamera-/Mikrofondatenerfassung und der permanenten Internetverbindung als Angriffsfläche. Die Bundesnetzagentur hat vor smarten Geräten mit versteckten Kamera- und Mikrofonfunktionen gewarnt — nach §90 TKG§90 TKGTelekommunikationsgesetz §90: Verbietet in Deutschland Geräte, die heimlich Bild- oder Tonaufnahmen machen können. Versteckte Kameras und Mikrofone in Alltagsgegenständen sind damit illegal. sind solche Geräte in Deutschland verboten. Der LfDI Baden-Württemberg titelte unmissverständlich: „Spion im eigenen Haus — Staubsaugerroboter als Datenschleuder."
Das chinesische Geheimdienstgesetz
Das chinesische Nachrichtendienstgesetz (2017) verpflichtet in Artikel 7: „Alle Organisationen und Bürger sollen gemäß dem Gesetz nationale Geheimdienstarbeit unterstützen, unterstützen und mit ihr kooperieren." Das Datensicherheitsgesetz (2021) und das Spionageabwehrgesetz (2023) erweitern diese Pflichten. Alle führenden Saugroboter-Hersteller — Ecovacs, Roborock, Dreame und Xiaomi — haben ihren Hauptsitz in China und unterliegen diesen Gesetzen.
Vom Gast-WLAN bis zur Cloud-Befreiung: So schützt du dich
In der Hersteller-App lassen sich Cloud-Kartensynchronisation, Kamera-/KI-Features und Nutzungsdaten-Weitergabe meist deaktivieren. Ecovacs bietet eine physische Objektivabdeckung. Bei Dreame sind KI-Hinderniserkennung, Sprachsteuerung und Live-Kamera standardmäßig deaktiviert — prüfe, dass das so bleibt.
Kaspersky empfiehlt: „Den Roboter nur reinigen lassen, wenn keine Familienmitglieder anwesend sind" (bei kameraausgestatteten Modellen) und virtuelle Wandbarrieren für sensible Räume wie Schlafzimmer oder Bad einzurichten.
Das BSI empfiehlt ausdrücklich, smarte Geräte in einem separaten Netzwerk (Gast-WLAN) zu betreiben. Das verhindert, dass ein kompromittierter Saugroboter auf Computer, NAS oder andere Geräte im Hauptnetzwerk zugreift. Die meisten Consumer-Router (Fritz!Box, TP-Link, ASUS) bieten Gastnetzwerke mit Geräte-Isolation.
Ergänzend blockiert ein Pi-holePi-holeEin Netzwerk-Werbeblocker, der auf einem Raspberry Pi läuft. Blockiert auf DNS-Ebene alle Verbindungen zu Tracking- und Telemetrie-Servern - nicht nur im Browser, sondern für alle Geräte im Netzwerk. oder AdGuard Home TelemetrieTelemetrieAutomatisch gesendete Nutzungsdaten an den Hersteller: Reinigungszeiten, Kartendaten, Fehlerprotokolle, Netzwerkinfos. Läuft permanent im Hintergrund, oft ohne dass der Nutzer es bemerkt. auf DNS-Ebene. Für Xiaomi-Geräte existieren dedizierte Blocklisten auf GitHub, die Domains wie a.stat.xiaomi.com, api.ad.xiaomi.com und data.mistat.xiaomi.com filtern.
Fortgeschrittene Nutzer können über UniFi oder OpenWrt dedizierte IoT-VLANsVLANVirtual Local Area Network - ein virtuelles Netzwerk innerhalb deines Routers, das Smart-Home-Geräte vollständig von Computern und Handys trennt. Selbst wenn der Saugroboter gehackt wird, kommt der Angreifer nicht an andere Geräte. mit granularen Firewall-Regeln einrichten.
ValetudoValetudoOpen-Source-Firmware-Ersatz für Saugroboter, der die Cloud-Verbindung komplett entfernt. Alle Funktionen bleiben erhalten, aber kein Datenpaket verlässt mehr das lokale Netzwerk. Benötigt technisches Wissen zur Installation. ist eine Open-Source-Software, die den Cloud-Zugang vollständig durch lokale Steuerung ersetzt. Entwickelt vom deutschen Entwickler Sören Beye, läuft sie als „Gehirnparasit" auf der Originalfirmware und ersetzt ausschließlich die Cloud-Konnektivität. Alle Funktionen (Navigation, Kartierung, Reinigung) bleiben erhalten — aber kein einziges Datenpaket verlässt das lokale Netzwerk.
Unterstützte Modelle: Dreame (D9, L10 Pro, L10s Ultra, L20 Ultra, X40 Ultra), Roborock (S5–S8, Q7 Max, Q Revo), Xiaomi, Eureka. Integration in Home Assistant über MQTT. Die Installation erfordert bei Dreame-Geräten einen 3,3V-UART-Adapter und das „Dreame Breakout PCB" — bei älteren Roborock-Modellen geht es kabellos per OTA-Methode.
→ valetudo.cloudWer maximale Privatsphäre will, greift zu einem Saugroboter ohne WLAN. Modelle wie die Eufy RoboVac 11S MAX, Medion MD 18510 oder ZACO V5s Pro funktionieren ausschließlich per Fernbedienung — ohne jede Netzwerkverbindung. Der Preis: keine App, kein intelligentes Raummanagement.
Aber auch: null Datenerfassung, null Cloud-Abhängigkeit, null Datenschutzrisiko. Für alle, bei denen Komfort weniger zählt als Sicherheit, ist das die konsequenteste Lösung.
Besonderer Tipp: Der Miele Scout RX3 hat ein physisch entfernbares WLAN-Modul — einzigartiges Datenschutzmerkmal bei einem Premium-Modell.
🤖 Die Privatsphäre-Kosten der Bequemlichkeit
Die Vorfälle zwischen 2022 und 2026 — von intimen Toilettenfotos auf Facebook über rassistische Beleidigungen aus gehackten Robotern bis hin zu versehentlich kontrollierbaren Roboter-Armeen aus 24 Ländern — sind keine Einzelfälle. Sie sind Symptome einer Industrie, die Funktionalität konsequent über Sicherheit stellt.
Drei Erkenntnisse stechen hervor: Erstens ist die Behauptung „Daten bleiben lokal" oft irreführend — selbst Roborock, das dies am stärksten bewirbt, teilt Nutzerdaten mit dem chinesischen IoT-Anbieter Tuya Smart. Zweitens zeigt der Fall iRobot die Ironie gescheiterter Regulierung: Die EU blockierte Amazon aus Datenschutzgründen, woraufhin iRobot in die Insolvenz ging — und nun von einem chinesischen Unternehmen übernommen wird. Drittens existieren mit Valetudo, Netzwerkisolierung und WLAN-freien Modellen praktikable Alternativen, die belegen: Gründliche Reinigung und Datenschutz schließen sich nicht aus — sie erfordern nur bewusstere Kaufentscheidungen.
Praktisch alle führenden Marken sind mittlerweile chinesisch und unterliegen Gesetzen, die sie zur Kooperation mit Geheimdiensten verpflichten können. Wer einen Saugroboter kauft, sollte das wissen.