01Eine E-Mail als Blaupause

Mark Zuckerberg empfängt den damaligen US-Außenminister John Kerry
Mark Zuckerberg empfängt den damaligen US-Außenminister John Kerry. Bild: U.S. Department of State from United States / Wikimedia Commons, Public domain.

Im Juni 2008 schrieb Mark Zuckerberg in einer internen E-Mail, die später im Rahmen der FTC-Klage öffentlich wurde:

„It is better to buy than compete."

Mark Zuckerberg, interne E-Mail, Juni 2008 — veröffentlicht im Rahmen der FTC-Klage, Dezember 2020 [1]

Dieser Satz wurde zur Leitlinie: Konkurrenten früh identifizieren, aufkaufen oder nach gescheiterter Übernahme kopieren und schwächen. Wo das nicht reichte, entzog Facebook ihnen gezielt den Plattformzugang.

Zwei weitere Zuckerberg-Zitate aus der FTC-Klageschrift zeigen, wie offen diese Strategie intern kommuniziert wurde. Am Tag der Instagram-Übernahme, 9. April 2012, schrieb er einem Kollegen: „Instagram war unsere Bedrohung. Bei Startups kann man sie oft einfach aufkaufen." Und kurz vor der Übernahme, intern: Falls Instagram von Google oder Apple übernommen werde, würde das Facebook „wirklich beängstigen".[1]

0219 Milliarden und was dahintersteckte

WhatsApp-Mitgründer Jan Koum
WhatsApp-Mitgründer Jan Koum. Bild: afromusing / Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
April 2012
Instagram
~750 Mio. $ (ursprünglich 1 Mrd. angekündigt)
13 Mitarbeiter, 30 Millionen Nutzer, 13 Monate alt. Heute: schätzungsweise ca. 67 Mrd. $ Jahresumsatz für Meta (2024), das 60-Fache des Kaufpreises. Instagram-Gründer Kevin Systrom fragte einen Investor: „Wird er in den Vernichtungsmodus schalten, wenn ich Nein sage?"
Februar 2014
WhatsApp
19 Mrd. $ (teils cash, teils Aktien)
Zum Zeitpunkt der Transaktion die größte Akquisition eines VC-finanziertenVenture Capital (VC)Risikokapital: Investitionen in junge, wachstumsstarke Unternehmen. VC-Firmen erhalten Unternehmensanteile und erwarten hohe Renditen beim Exit (Börsengang oder Übernahme). WhatsApp war von Sequoia Capital finanziert. Unternehmens in der Geschichte. Intern: „wahrscheinlich das einzige Unternehmen, das rein mobil zum nächsten Facebook hätte werden können." Wie Meta die genauen Nutzungsdaten kannte: durch Onavo.
März 2014
Oculus VR
2 Mrd. $
Grundstein von Metas Metaverse-Strategie. Reality LabsReality LabsMetas Division für VR/AR-Hardware und Metaverse-Entwicklung. Zuständig für Quest-Headsets, Ray-Ban-Smart-Glasses und die Metaverse-Plattform Horizon Worlds. Hat seit 2020 über 80 Milliarden Dollar Betriebsverlust angehäuft (Stand Ende 2025). verbucht seit Jahren massive Verluste, allein 2024 über 17,7 Mrd. $ Betriebsverlust. Quest-Headsets dominieren trotzdem den Consumer-VR-Markt. Update März 2026: Meta stellt Horizon Worlds für VR-Headsets zum 15. Juni 2026 ein und gibt damit einen Kernteil seines Metaverse-Versprechens auf.
Oktober 2013
Onavo
120 Mio. $
Als VPN-AppVPN (Virtual Private Network)Dienst, der den Internetverkehr eines Nutzers über einen eigenen Server umleitet und verschlüsselt, eigentlich zum Schutz der Privatsphäre. Onavo nutzte diese Vertrauensposition, um stattdessen alle App-Nutzungsdaten an Facebook zu senden. vermarktet. Tatsächlicher Zweck: Wettbewerbs-Aufklärung. Onavo sammelte vollständige App-Nutzungsdaten, also welche Apps Nutzer wie oft öffneten. Apple entfernte es 2018. Onavo war die Grundlage von Project Ghostbusters.

03Die geheime Spyware-Operation gegen Snapchat

Visualisierung eines sozialen Netzwerks
Visualisierung eines sozialen Netzwerks. Bild: Martin Grandjean / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Im Juni 2016 schrieb Zuckerberg intern, er sei besorgt über das schnelle Wachstum von Snapchat. Problem: Snapchats Traffic war verschlüsselt. „Es scheint wichtig, einen neuen Weg zu finden, um zuverlässige Analysen über sie zu bekommen."

Was folgte, wurde intern „Project Ghostbusters" genannt, in Anspielung auf Snapchats Geist-Logo. Das Programm nutzte Onavo, um durch einen Man-in-the-Middle-AngriffMan-in-the-Middle (MITM)Angriffsmethode, bei der eine dritte Partei heimlich die Kommunikation zwischen zwei Parteien abfängt. Bei Project Ghostbusters: Onavo schaltete sich zwischen Nutzer und Snapchat-Server, um verschlüsselten SSL-Traffic zu entschlüsseln und zu analysieren. den verschlüsselten SSL-Traffic von Snapchat zu entschlüsseln.

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Facebook installierte auf den Geräten seiner eigenen Nutzer Root-ZertifikateRoot-ZertifikatDigitales Zertifikat, dem ein Betriebssystem oder Browser grundsätzlich vertraut. Wer ein Root-Zertifikat installiert, kann SSL/TLS-Verbindungen aufbrechen und mitlesen, da das Gerät die gefälschten Zertifikate als legitim akzeptiert., die es ermöglichten, die Kommunikation zwischen Nutzer und Snapchat abzufangen und zu lesen, also den Datenverkehr einer Konkurrenz-App zu überwachen. Das Programm lief von Juni 2016 bis etwa Mai 2019 und wurde später auf YouTube und Amazon ausgeweitet. 33 Millionen Onavo-Nutzer waren betroffen.[11]

Was Project Ghostbusters bewirkte: Die daraus gewonnenen Nutzungsdaten informierten Facebooks Produktentscheidungen direkt. Im August 2016 führte Facebook Instagram Stories ein, eine nahezu identische Kopie von Snapchats Kernfunktion. Für das Muster gibt es einen Begriff: „Embrace, Extend, Extinguish"Embrace, Extend, ExtinguishStrategiemuster: Zuerst ein Konkurrenzprodukt imitieren (Embrace), dann mit Plattformvorteilen ausbauen (Extend), dann den Original-Konkurrenten verdrängen (Extinguish). Ursprünglich Microsoft zugeschrieben; bei Meta mit Snapchat Stories, TikTok Reels und anderen.. Snapchats Wachstum brach daraufhin ein.

Im März 2024 wurden Gerichtsdokumente aus einer Sammelklage öffentlich, die erstmals die internen Details offenlegten. Kläger warfen Meta vor, gegen den US Wiretap ActWiretap Act (18 U.S.C. § 2511)US-Bundesgesetz, das die vorsätzliche Abfangung elektronischer Kommunikation verbietet. Gilt auch für Dritte, die Kommunikation ohne Wissen der Beteiligten mitlesen. Verstöße können straf- und zivilrechtlich verfolgt werden. verstoßen zu haben, das Gesetz, das die vorsätzliche Abfangung elektronischer Kommunikation verbietet. Meta bestritt Fehlverhalten.[12]

04Was nicht gekauft werden konnte, wurde kopiert

Instagram-App auf einem Smartphone
Instagram-App auf einem Smartphone. Bild: Santeri Viinamäki (both photo and screenshot) / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Metas Strategie bei gescheiterten Übernahmen war konsistent: Was nicht gekauft werden konnte, wurde repliziert.

  • Snapchat lehnte 3 Milliarden Dollar ab (2013) → Instagram Stories, Facebook Stories, WhatsApp Status
  • Twitter lehnte rund 500 Millionen Dollar ab (2008) → Keine direkte Kopie, aber Threading-Funktionen in Facebook
  • TikTok war regulatorisch nicht übernehmbar → Instagram Reels
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Das Muster ist dokumentiert: Snapchats Stories wurden zu Instagram Stories, mit Erkenntnissen aus Onavo. TikToks Kurzvideoformat wurde zu Instagram Reels. In beiden Fällen strebte Meta zuerst eine Übernahme an und kopierte nach Ablehnung oder regulatorischer Blockade.

05Circle: Null Nutzer über Nacht

Facebook-Bürogebäude in Menlo Park
Facebook-Bürogebäude in Menlo Park. Bild: Anthony Quintano from Honolulu, HI, United States / Wikimedia Commons, CC BY 2.0.

Neben Übernahmen und Kopieren nutzte Meta noch eine dritte Methode: den Entzug des Plattformzugangs.

Die App Circle gewann im Dezember 2013 täglich 600.000 neue Nutzer. Das reichte, um intern als Bedrohung registriert zu werden. Facebook entzog der App daraufhin den Zugang zur Facebook-Plattform. Das Unternehmen überlebte nicht.[9]

Die FTC-Klageschrift dokumentierte diesen Fall als Beleg für eine Strategie, die über Kaufen und Kopieren hinausging: gezielte Plattform-Sabotage.

06Apps, die ihr vielleicht kennt und die Meta eingestellt hat

Facebook-Schild am früheren Hauptquartier in Menlo Park
Facebook-Schild am früheren Hauptquartier in Menlo Park. Bild: Kevin Krejci from Near the Pacific Ocean, DSA / Wikimedia Commons, CC BY 2.0.

94 Übernahmen bedeuten auch: viele eingestellte Produkte. Hinter mehreren bekannten App-Abschaltungen steckte Meta.

Moves 2014 gekauft, 2018 eingestellt Eingestellt
tbh Okt. 2017 für ~100 Mio. $ gekauft, Feb. 2018 eingestellt Eingestellt
Beluga 2011 gekauft — wurde zu Facebook Messenger Integriert
GIPHY 2020 für 400 Mio. $ gekauft — 2023 für 53 Mio. $ verkauft (Verlust: 347 Mio. $) Zwangsverkauf
Atlas Solutions 2013 von Microsoft gekauft, 2018 eingestellt Technologie integriert

Moves war eine der beliebtesten Fitness-Apps: lief still im Hintergrund und protokollierte automatisch Schritte, Fahrten, Laufstrecken. Facebook kaufte sie 2014. 2018 Einstellung. Die gesammelten Gesundheits- und Bewegungsdaten wurden dabei an Facebook übertragen, wer dem nicht zustimmte, verlor seinen Datenzugang.

tbh war eine Umfrage-App für Jugendliche mit positivem Feedback-Design: „Wer von euren Freunden wäre der beste Astronaut?" 5 Millionen Schüler in wenigen Wochen. Gekauft Oktober 2017, eingestellt Februar 2018. Unter Meta bestand die App fünf Monate.

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Die Gemeinsamkeit aller Fälle: Nutzer bauen Vertrauen in ein Produkt auf, Meta kauft es und entscheidet dann über Weiterführung oder Abschaltung. Die Nutzerdaten bleiben bei Meta.

07Der größte Kartellfall und warum Meta gewann

Hauptsitz der US-Handelsaufsicht FTC in Washington
Hauptsitz der US-Handelsaufsicht FTC in Washington. Bild: Harrison Keely / Wikimedia Commons, CC BY 4.0.

Im Dezember 2020 klagte die FTCFTC (Federal Trade Commission)US-Bundesbehörde für Wettbewerbs- und Verbraucherschutz. Kann Kartellklagen einreichen und Fusionen blockieren. Im Meta-Fall: Klage auf erzwungene Abspaltung von Instagram und WhatsApp, im November 2025 verloren, Berufung eingelegt. gemeinsam mit 46 US-Bundesstaaten gegen Meta. Ziel: die erzwungene Abspaltung von Instagram und WhatsApp. Das Kernargument: Meta habe durch seine „buy or bury"-Strategie„Buy or Bury"Von der FTC geprägter Begriff für Metas Akquisitionsstrategie: Potenzielle Konkurrenten werden entweder aufgekauft (buy) oder nach gescheiterter Übernahme durch Kopieren und Plattformblockaden geschwächt bis zur Bedeutungslosigkeit (bury). ein illegales MonopolMonopol (Kartellrecht)Marktstellung, bei der ein Unternehmen so dominant ist, dass es Preise, Konditionen und Wettbewerb kontrollieren kann. Im US-Kartellrecht (Sherman Act Section 2) verboten, wenn die Stellung durch wettbewerbswidrige Praktiken erlangt oder aufrechterhalten wurde. im Markt für „Personal Social Networking Services" aufgebaut.

Im Zentrum der Klage standen Zuckerbergs eigene E-Mails: sein 2008er Credo, seine Einschätzung von Instagram als „wirklich beängstigend", sein Satz nach dem Kauf: „Instagram war unsere Bedrohung."

DatumEreignis
Dez. 2020FTC + 46 Bundesstaaten klagen gegen Meta
Jun. 2021Richter Boasberg weist Klage ab: zu wenig Beweise
Jan. 2022FTC reicht überarbeitete Klage ein; Boasberg lässt sie zu
Apr.–Mai 2025Prozess (6 Wochen), Zuckerberg sagt persönlich aus
Nov. 2025Richter Boasberg: Meta gewinnt: FTC hat Monopol nicht bewiesen
Jan. 2026FTC legt Berufung beim DC Circuit Court ein

Warum Meta gewann

Richter Boasberg stellte fest: Der Markt hat sich seit der Klageeinreichung 2020 fundamental verändert. TikTok war in den ursprünglichen Klageschriften noch nicht einmal erwähnt, heute sei es „Metas härtester Rivale". YouTube, TikTok und Apple Messaging seien relevante Konkurrenten. Das Gericht zitierte den griechischen Philosophen Heraklit: „Kein Mensch kann zweimal in denselben Fluss steigen". Das gelte auch für den Social-Media-Markt.[15]

Die FTC konnte nicht nachweisen, dass Meta aktuell monopolistische Macht ausübt. Metas Verhalten in der Vergangenheit war dokumentiert, aber das reichte für eine heutige Aufspaltung nicht aus.

Die FTC-Berufung

FTC-Direktor Daniel Guarnera erklärte nach der Niederlage: Meta habe „seine dominante Stellung und Rekordgewinne über mehr als ein Jahrzehnt nicht durch legitimen Wettbewerb aufrechterhalten, sondern durch das Aufkaufen seiner bedeutendsten Konkurrenten." Das Verfahren läuft, letzte mögliche Instanz ist der Supreme CourtSupreme Court (USA)Oberstes Gericht der USA. Letzte Instanz für Bundes- und Verfassungsrechtsfragen. Entscheidet nach eigenem Ermessen, welche Fälle es annimmt. Ein Supreme-Court-Urteil im FTC-Meta-Verfahren würde die US-Kartellrechtspraxis für Tech-Konzerne grundlegend prägen..[16]

08Digital Markets Act: Die ersten Bußgelder der Geschichte

Berlaymont-Gebäude der Europäischen Kommission
Berlaymont-Gebäude der Europäischen Kommission. Bild: EmDee / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Während die USA-Klage scheiterte, geht Europa einen anderen Weg. Der Digital Markets Act (DMA)Digital Markets Act (DMA)EU-Gesetz, seit Mai 2023 in Kraft. Verpflichtet „Gatekeeper", also Plattformen mit systemischer Marktmacht, zu Interoperabilität, fairem Plattformzugang und echten Nutzerwahlmöglichkeiten. Bußgelder bis 10 % des Jahresumsatzes. trat im Mai 2023 vollständig in Kraft. Er verpflichtet „Gatekeeper"Gatekeeper (DMA)Unternehmen, die nach DMA-Definition systemische Marktmacht haben: über 45 Mio. EU-Endnutzer, über 10.000 gewerbliche Nutzer, über 7,5 Mrd. € EU-Umsatz. Aktuell designiert: Alphabet, Apple, Meta, Amazon, Microsoft, ByteDance., also Plattformen mit systemischer Marktmacht, zu konkreten Verhaltensänderungen. Darunter: Nutzern muss eine gleichwertige kostenlose Alternative angeboten werden, wenn sie der Datenkombination nicht zustimmen wollen.

Meta führte als Reaktion ein „Consent or Pay"-ModellConsent or PayGeschäftsmodell: Nutzer können entweder personalisierter Werbung zustimmen (kostenlos) oder eine werbefreie Version bezahlen. Die EU-Kommission wertete dies als DMA-Verstoß: Die kostenlose Alternative darf keine Zustimmung zur Datenkombination erzwingen. ein: Entweder monatlich zahlen oder personalisierter Werbung zustimmen. Die EU-Kommission sah darin einen Verstoß: Wer ablehnt, muss eine echte kostenlose Alternative bekommen, keine Zahlungsaufforderung.

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Am 23. April 2025 verhängte die EU-Kommission:
→ Apple: 500 Millionen Euro (App Store-Steuerungsregeln)
→ Meta: 200 Millionen Euro (fehlendes echtes Opt-out für Datenkombination)

Dies waren die ersten Bußgelder überhaupt unter dem DMA.[4]

Die maximalen DMA-Bußgelder: bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes bei erstmaligen Verstößen, bis zu 20 % bei Wiederholung. Bei Metas Umsatz wären das bis zu 16 bzw. 32 Milliarden Euro.

Vorherige EU-Verfahren

Bereits 2017 verhängte die EU-Kommission 110 Millionen Euro gegen Facebook, weil das Unternehmen bei der Prüfung der WhatsApp-Übernahme 2014 „irreführende Angaben" gemacht hatte, konkret: es hatte behauptet, eine automatische Verknüpfung beider Plattformen sei technisch nicht möglich. Zwei Jahre später wurde genau das eingeführt.[5]

Das Bundeskartellamt erließ 2019 eine Grundsatzentscheidung: Die Verknüpfung von Facebook-Daten mit WhatsApp, Instagram und Drittwebsites verstoße gegen deutsches Kartellrecht. Der EuGH bestätigte im Juli 2023: Kartellbehörden dürfen Datenschutzverstöße als Missbrauch von Marktdominanz werten. Das Verfahren wurde im Oktober 2024 abgeschlossen: Meta und das Bundeskartellamt einigten sich auf ein Maßnahmenpaket, das Nutzern mehr Kontrolle über die plattformübergreifende Datenverknüpfung gibt.[7]

09Warum der Kreislauf unaufhaltbar wirkt

Meta-Schild am Hauptquartier in Menlo Park
Meta-Schild am Hauptquartier in Menlo Park. Bild: Nokia621 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Metas Marktmacht beruht auf einem sich selbstverstärkenden Kreislauf, den das indische Wettbewerbsamt CCI 2024 so beschrieb: „Messaging-Dienste weisen positive direkte Netzwerkeffekte auf, jeder zusätzliche Nutzer macht den Dienst wertvoller für bestehende Nutzer. Das erzeugt eine Tendenz zur Konzentration."

  • NetzwerkeffekteNetzwerkeffektePhänomen, bei dem ein Produkt für jeden einzelnen Nutzer wertvoller wird, je mehr Menschen es nutzen. Bei Messaging-Apps: WhatsApp ist attraktiv, weil alle anderen WhatsApp haben, nicht wegen technischer Überlegenheit. Schafft natürliche Monopoltendenzen.: WhatsApp mit über 3 Milliarden Nutzern ist für jeden neuen Nutzer attraktiver als ein Konkurrent mit 100 Millionen, egal wie gut das Konkurrenzprodukt ist.
  • Datenvorteil: Mehr Nutzer = mehr Daten = bessere Werbeprofile = höhere Werbepreise = mehr Kapital für weitere Übernahmen.
  • Cross-Plattform-ProfilingCross-Plattform-ProfilingZusammenführung von Nutzerdaten aus verschiedenen Apps und Websites zu einem einheitlichen Profil. Bei Meta: Daten aus Facebook, Instagram, WhatsApp und dem Meta Pixel auf Drittwebsites fließen zusammen. Vom Bundeskartellamt 2019 als kartellrechtswidrig eingestuft.: Durch Facebook, Instagram, WhatsApp und den Meta Pixel entsteht ein Nutzerprofil, das kein einzelner Konkurrent replizieren kann.
  • Einstiegshürde: Wer heute eine Social-Media-Plattform aufbauen will, konkurriert mit einem vernetzten Ökosystem von 3,58 Milliarden täglich aktiven Nutzern.

10Die Strategie hat funktioniert

Kuppel des US-Kapitols in Washington
Kuppel des US-Kapitols in Washington. Bild: Diliff / Wikimedia Commons, CC BY 2.5.

Zuckerberg hat seinen Satz von 2008 umgesetzt. Instagram für 750 Millionen $: heute ca. 67 Milliarden Dollar Jahresumsatz (2024). WhatsApp für 19 Milliarden $: heute über 3 Milliarden Nutzer ohne Alternative. Onavo für 120 Millionen lieferte die Wettbewerbsaufklärung, die Snapchat geschwächt hat.

Die FTC hat den Prozess verloren. Die EU hat die ersten Bußgelder verhängt, aber noch keine strukturellen Änderungen erzwungen. Der DMA könnte das ändern; ob er dafür reicht, ist offen.

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Meta verdient über 97 % seines Umsatzes mit personalisierter Werbung, und die braucht Daten möglichst vieler Nutzer. Täglich aktiv sind auf Metas Plattformen 3,58 Milliarden Menschen, keine Alternative kommt auch nur annähernd auf so viele. Diese Lage ist das Ergebnis von 94 Übernahmen, einer Spyware-Operation und gezielten Plattformblockaden.