Pink, freundlich — und ein Datendino

Klarna sieht aus wie eine Lifestyle-App. Pink, rund, entspannt. „Jetzt kaufen, später zahlen" klingt harmlos. Und genau das ist das Problem. Während Google offen ein Werbekonzern ist und jeder weiß worauf er sich einlässt, kommt Klarna als schnöder Zahlungsdienst daher — und sammelt dabei Daten, die selbst Google nicht hat.

Was zum Beispiel? Klarna kann über sein Open-BankingOpen BankingEin System, bei dem Drittanbieter wie Klarna mit deiner Erlaubnis direkt auf dein Bankkonto zugreifen können - inklusive Kontostand und Transaktionshistorie.-Angebot direkten Zugriff auf dein Bankkonto bekommen — Kontostand, alle Transaktionen der letzten 30 bis 90 Tage, Mietzahlungen, Arztkosten, Supermarktausgaben. Das ist kein Vorwurf, das steht so in der Datenschutzerklärung.

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Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich: Den Open-Banking-Zugriff auf dein Konto solltest du grundsätzlich nicht gewähren. Einmal aktiviert, liest Klarna alle Kontobewegungen der letzten 30–90 Tage.

Von Zahlungsdienst zur Werbeplattform

2020 hat Klarna 13 Millionen Dollar mit Werbung verdient. 2024 waren es 180 Millionen Dollar — ein Wachstum von über 1.200 Prozent in vier Jahren. Seit November 2023 betreibt Klarna einen eigenen Ads ManagerAds ManagerEin Werbeverwaltungs-Tool, mit dem Händler gezielt Anzeigen schalten können - basierend auf den Kaufdaten und dem Verhalten der Klarna-Nutzer.: Händler können damit gezielt auf Basis der Kaufhistorie, des Browserverhaltens und der Suchbegriffe der 111 Millionen Nutzer werben.

Deine Daten sind nicht mehr nur Mittel zum Zweck für die Kreditprüfung. Sie sind das Produkt. Klarna verdient dreifach — an Händlerprovisionen, an Zinsen auf Ratenzahlungen, und an deinen Daten.

CCPACCPACalifornia Consumer Privacy Act - Kaliforniens Datenschutzgesetz. Zwingt Unternehmen zu voller Transparenz darüber, welche Daten sie sammeln und verkaufen.-Disclosure: Klarnas US-Datenschutzerklärung (durch Kaliforniens Gesetz zur vollständigen Offenlegung verpflichtet) bestätigt schwarz auf weiß: Klarna hat in den letzten 12 Monaten E-Mail-Adressen, Geräte-IDs und VerhaltensprofileVerhaltensprofilEin digitales Dossier aus deinem Online-Verhalten: Was du kaufst, wonach du suchst, wann du aktiv bist. Wird für gezielte Werbung genutzt. an Marketing- und Media-Unternehmen verkauft. In der europäischen Datenschutzerklärung steht davon wenig.

Der KI-Assistent liest mit

Seit Februar 2024 beantwortet ein OpenAI-basierter KI-Assistent zwei Drittel aller Klarna-Kundenanfragen. Im ersten Monat: 2,3 Millionen Gespräche. Bis Ende 2025 hat der Assistent die Arbeit von 853 Vollzeitstellen ersetzt und 60 Millionen Dollar eingespart.

Das klingt nach Effizienz. Das Problem: Klarna dokumentiert nirgends, welche konkreten Kundendaten an OpenAI-Server übertragen werden. Vor 2025 wurden alle Gespräche auf US-Servern verarbeitet, was nach dem Schrems-IISchrems IIUrteil des Europäischen Gerichtshofs (2020), das den Datentransfer in die USA erheblich einschränkte. Benannt nach dem österreichischen Datenschutzaktivisten Max Schrems.-Urteil rechtlich problematisch war.

Was du jetzt tun kannst

Du musst Klarna nicht sofort löschen. Aber ein paar Dinge kannst du sofort tun:

Open-Banking-Zugriff widerrufen: App → Persönliche Finanzen → Deaktivieren. Sofort wirksam, kostet nichts.

Werbung widersprechen: Du hast ein absolutes Widerspruchsrecht — keine Begründung nötig. E-Mail an datenschutz@klarna.de.

Datenkopie anfordern: Ebenfalls per E-Mail. Klarna muss innerhalb von 30 Tagen antworten — in einem dokumentierten Fall dauerte es 3 Jahre und 7 Monate.

Alternative: Apple Pay lässt sich nicht tracken, verkauft keine Daten und braucht keinen Bankkontozugriff.

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Und ja — ich hatte auch Klarna. Vergangenheitsform. Das ist der Punkt dieser Seite.